Antonia Pfeiffer hat ein aktuelles Buch über die Wirkhypothesen der Klopftechniken geschrieben. Sie fasst wissenschaftliche Studien zu drei sich unterscheidenden Wirkhypothesen der Klopftechniken zusammen, sie berücksichtigt dabei nur die neurowissenschaftliche Akupunktur-Hypothese, die auf fMRT-Studien beruht, nicht aber den energetischen Ansatz.
Im Zentrum stehen die Komponenten des PEP®-Ansatzes: Das Klopfen von Akupunkturpunkten bei stark emotional belastendem Erleben. Das Kurbeln, die kreisende Selbstberührung links unterhalb des Schlüsselbeins zur Bearbeitung von „Selbstwerträubern“ wie Selbst- und Fremdvorwürfe, Regression, falsche Erwartungen oder alte Loyalitäten. Auch die Selbststärkungssätze und Affirmationen wurden auf Wirkmechanismen untersucht.
Wirkhypothese Akupunktur und Haut
Wir wissen, dass die Stimulation der Haut und der Faszien emotionale Areale herunterregulieren kann. In der Akupunktur werden Nadeln gestochen, die durch den Einstich das Hautgewebe verletzen und in der Regel durch Drehen und Zwirbeln der Nadel die Faszien stimulieren. (Deqi). Kann das Klopfen der Akupunkturpunkte die gleiche Wirkung haben?
Wir kennen verschiedene Rezeptoren für Schmerz, Gerüche, Wahrnehmung über die Sinne etc., die diskriminativen Rezeptoren. Es gib aber auch die Rezeptoren für ein emotionales Empfinden bei Berührung, die CT-Afferenzen, die Antonia Pfeiffer auch „Kuschelrezeptoren“ nennt. Die Gegenüberstellung von diskriminativen Rezeptoren und CT-Afferenzen in der Grafik zeigt, wo diese Rezeptoren verankert sind, wohin die Empfindungen weitergeleitet werden und warum eine langsame Selbstberührung auf der linken Seite unterhalb des Schlüsselbeins beim so genannten Kurbeln exakt der Geschwindigkeit und Qualität der Berührung entspricht, die diese Informationen zur Insula leitet, dem Zentrum zur Verarbeitung emotionaler Aspekte der Berührung.
Die Studien dazu liefern wichtige Belege, die die Wirksamkeit des Kurbelns beim Einbezug der Big-Five unterstreichen, jedoch sind zur Klärung der Wirksamkeit des Klopfens zwei weitere Wirkhypothesen zielführender.

Wirkhypothese Polyvagal-Theorie

Die Polyvagaltheorie stammt von Steven Porges. Er beobachtete, dass Tiere in auswegloser Lage wie erstarrt wirken. Dieses Verhalten konnte weder mit einer Reaktion des Sympathikus, noch des Parasympathikus erklärt werden. Er fand heraus, dass der Parasympathikus aus mindestens zwei wichtigen Nervensträngen besteht: dem dorsalen Vagus, auch als primitiver Vagus bezeichnet und dem ventralen Vagus, auch sozialer Vagus genannt.
Der dorsale Vagus, der entwicklungsgeschichtlich älteste Nerv, ist für den Zustand der Starre, für Entsetzen oder Scham in auswegloser Lage verantwortlich. Auch Trauma-Patienten beschreiben ihre Gefühle so, als kompletten „Shutdown“, als Hilflosigkeit in als ausweglos gefühlter Lage.
Der Sympathikus tritt dagegen bei Gefahr an, die als beherrschbar eingeschätzt wird. Herzschlag und Puls steigen, die Alternative liegt bei Flucht oder Angriff. Der ventrale Vagus, der von der Entwicklung her jüngste Nerv schafft dagegen einen ausgeglichenen inneren Zustand und drückt sich aus in der Verbundenheit mit anderen Menschen, im Gemeinschaftsgefühl.
Alle drei kommen aus dem Hirnstamm und liegen in der Nähe von Nervenkernen, die zum System der sozialen Verbundenheit gehören. So aktivieren Klopfen, Summen oder Augenbewegung den Nervus Vagus. Für die Stimmlippen ist er direkt zuständig. Die Augenbewegungen gehen über in den Trigeminus, der wiederum den Vagus anschaltet. So wird die ventrale Vagus-Aktivierung als wichtiger Wirkmechanismus des Klopfens angenommen.
Wirkhypothese Erinnerungsupdate
Wir besitzen ein zweigeteiltes Erinnerungsvermögen. Das explizite Gedächtnis ist semantisch aufgebaut und über die Sprache im Hippocampus abgespeichert. Die impliziten Erinnerung sind unbewusste, emotionale Erinnerungen, Fertigkeiten, emotional körperlicher Ausdruck, Fühlen, aber auch Bindungsmuster. Dass heißt, auch wenn wir keine bewusste Erinnerung haben, kann unsere Physiologie trotzdem auf bestimmte Reize reagieren.
Nun gibt es auch Therapieformen, die ohne Medikamente ein „Erinnerungsupdate“ schaffen. Dabei wird zuerst die Erinnerung reaktiviert, mit einem nicht-übereinstimmenden Reiz überschrieben und dann ein emotionales Gegenerlebnis geschaffen. Nichts anderes geschieht bei PEP. Zunächst fordert man den Klienten dazu auf, das Problem zu benennen, gefolgt von einem Selbststärkungssatz, z.B.: „Auch wenn ich dieses Problem… habe, schätze und liebe ich mich so, wie ich bin.“ Dann wird der Reiz durch das Klopfen unter ständiger Erinnerung an das Thema „überschrieben“. So kann das Klopfen auch als Erinnerungsupdate wirksam werden.

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